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Hinterhofhonig – die stadtteiltreue Biene

 

Hinterhofhonig – Die Stadtteiltreue Biene

Bremen – strahlend blauer Himmel, die Sonne knallt … ein perfekter Tag um Bekanntschaft mit ein paar Bienen zu machen. Wir schwingen uns aufs Rad, um unseren Freund Andreas – auch Kasche genannt – bei der Honigernte über die Schulter zu schauen. Kasche ist Imker, und zwar nicht irgendwo einsiedlerisch auf dem Land, sondern mitten in der Stadt. Vorbei an Wohnsiedlungen und Parks gelangen wir zu einem sympathisch wirkenden Parzellengebiet – dort treffen wir auf den Imker und sein Bienenvolk.

 

 


„Ah, als Imker muss man nicht viel können! Etwas Geduld und die Bereitschaft, sich ab und zu mal stechen zu lassen, der Rest ist Erfahrung“, sagt er bescheiden und sichtlich amüsiert über unsere ehrfurchtsvolle Haltung.

 

Kasche fasst mit nackter Hand in eine Zarge (der Kasten, in dem die Bienen leben), um uns ein in der Sonne schimmerndes und von Honig triefendes Rähmchen von Nahem zu zeigen – flüssiges Gold. Ich darf mit dem Finger hineinstechen und den goldenen Nektar probieren, nature at its best.
Kasche besitzt 24 Bienenvölker verteilt auf zwei Bremer Stadtteile, nach denen ein paar der Honigsorten benannt sind. „Wir ernten zweimal im Jahr. Außerdem haben wir Kooperationen mit Biobauern aus der Gegend. Es ist eine Win-win-Situation, die Bienen bekommen ihr Futter und die Pflanzen der Bauern werden bestäubt. Besser geht’s nicht!“

 

 

 

2012 hat Kasche zusammen mit seiner Frau in seinem Hinterhof angefangen, ein Bienenvolk zu halten. Als wir ihn fragen, wie es zu dieser Entscheidung kam, blickt er auf einen unsichtbaren Punkt in der Ferne „Naja in erster Linie waren es Kindheitserinnerungen, die mich dazu bewegten … Mein Opa hat in seinem Garten ein paar Völker gehalten und als Kind hat mich das schon immer fasziniert. Als mir dann eines Abends eine Doku über die Eigenproduktion von Honig über den Weg gelaufen ist, naja, da hab ich halt einfach Bock gekriegt“, lacht er.

 

 

 

„Mein Opa hat in seinem Garten ein paar Völker gehalten und als Kind hat mich das schon immer fasziniert.“

 

Etwas Vorbereitung braucht so eine Unternehmung allerdings schon und deswegen belegte Kasche erst einmal einen Kurs im Imkerverein und investierte in sein erstes Equipment. Als er als Imker seinen ersten Honig geerntet hatte, fing er eine Kooperation mit seinem Gymnasium an – denn Kasche ist hauptberuflich Physik- und Sportlehrer. Er etablierte eine Imker-AG und sensibilisiert seitdem die jungen Heranwachsenden für das Imkern und die Natur. So einen Lehrer hätten wir damals gefeiert!

Das Sensibilisieren für die kleinen Wesen ist ein wichtiger Schritt, um an ein globales Problem heranzuführen, denn die Insektenvielfalt ist in den letzten Jahren weltweit erschreckend zurückgegangen. Monokulturen, Pestizide und der Klimawandel sind ausschlaggebende Faktoren für das Insektensterben. Man sieht es anhand der Wildbienen – sie finden in der freien Natur kaum noch Nahrung, da sie durch flächendeckende Monokulturen nur in einem kurzen Zeitfenster Nahrung zur Verfügung haben. Deswegen müssen sie oft lange Strecken zurücklegen, um neue Nahrungsquellen aufzuspüren … wenn überhaupt. Die hinzukommenden Dürren, verursacht durch den Klimawandel, grenzen diese Zeitfenster noch mehr ein.

 

 

 

 

 

Paradoxerweise finden die Insekten das vielfältigste Pflanzenangebot in der Stadt. Parkanlagen, Stadtwälder und Gärten – irgendwas blüht immer. Für viele Insekten und auch die Honigbienen ist das eine gute Alternative. Einige Insekten, so auch einige Wildbienenarten, halten sich jedoch von Stadt und Tumult eher fern, deswegen ist es wichtig, sowohl in der Stadt, aber eben auch auf dem Land für ein ausreichendes Nahrungsangebot zu sorgen. Grünstreifen an Feldrändern sind ein erster, kleiner, aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Wir selbst können auch unseren Teil beitragen und die lokalen Imker unterstützen, indem wir unseren Honig bei ihnen kaufen und auf Supermarktware verzichten. Wer einen Balkon, Garten oder eine Grünfläche vor der Tür hat, der kann mit den richtigen Pflanzen eine kleine Nahrungsinsel schaffen. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass es heimische Pflanzen und Blumen sind, da die Insekten auf diese konditioniert sind.

Bepackt mit ein paar Gläsern Honig schwingen wir uns mit surrendem Kopf wieder auf die Räder. Auf dem Heimweg fallen uns so viele kleine Insekten auf wie noch nie zuvor! Die Natur hat’s schon ziemlich drauf.

 

 
Wer mehr über Hinterhofhonig erfahren möchte, schaut am besten auf der Website vorbei:
www.hinterhofhonig.de